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Geschichte der burg

ERDHÜGELBURG AUS DER ZEIT DER LANDNAHME, STAMMBURG AUS STEIN

Die Mauern der Burg Diósgyőr wurden auf dem Felshügel gebaut, der sich aus dem Tal des Baches Szinva erhebt. Der namenlose Chronist Anonymus aus dem 13. Jahrhundert erwähnte, dass eine Erdhügelburg in der Zeit der Landnahme schon hier stand, die wahrscheinlich um 1241, zur Zeit des Tatarenzuges zerstört wurde. Nach dem Tatarenzug spendete der König Béla IV. dieses Gebiet dem Ban Ernye, der sein beliebter Getreuer war. Der Sohn vom Ban Ernye, der Palatin Stephan (István) war der erste Bauherr der mit einem ovalen Ring umkreisten, und mit zwei Türmen versehenen Steinburg.

BLÜHENDES MITTELALTER

Der König Ludwig der Große (1325 - 82) der als „Ritterkönig” erwähnt wurde, gliederte einen großen Gutsanteil dem Burggebiet im Jahre 1364 an und auf der Stelle der Stammburg ließ er ein prunkhaftes gotisches Burgkastell mit vier Ecktürmen bauen, damit den italienischen und französischen Beispielen folgend. Die Burg Diósgyőr mit den die Maurern umschlingenden Wassergräben, mit vier gewaltigen für uneinnehmbar scheinenden Türmen, mit den die Türmen verbindenden Etagenappartements, sowie mit dem größten Rittersaal des zeitgenössischen Mitteleuropas war die Burg Diósgyőr die schönste und pomphafteste Festung des Landes.
Diósgyőr als königliche Residenz wurde neben Ofen (Buda), Plintenburg (Visegrád) und Zólyom damals bedeutend, als Ludwig auch den Thron des Königs von Polen eroberte. Das Burgschloss, das am Rand der an Wild reichen Wälder des Bükk-Gebirges liegt, diente als beliebter Aufenthaltsort des Königs Ludwigs I. für mehrere Monate in jedem Jahres, wo auch die zwei Königinnen, also seine Mutter und seine Gemahlin, zusammen mit ihrer eigenen Hofhaltung, den König oft begleiteten.
Ludwig der Große feierte seine Krönung zum König von Polen in Diósgyőr, und hier verbrachte er die Weihnachtstage in demselben Jahr. Zwischen den Mauern der Burg Diósgyőr geschahen auch solche wichtigen politischen Ereignisse, wie die Ratifikation des Turiner Friedens im Jahre 1381, mit dem die vom König Ludwig geführten Kriege gegen Venedig geschlossen wurden. In einer gesonderten Anordnung des Friedenvertrages verpflichtete sich Venedig, die Flagge des ungarischen Königs auf dem Sankt-Mark-Platz als Beweis der Abhängigkeit an jedem Samstag und Sonntag aufzuziehen.
Die Glanzperiode der Jagden im Bükk-Gebirge kann auch für diesen Zeitraum geschätzt werden. In der Zeit des Königs Ludwig des Großen lebten eben Hirsche, Rehe und Wildschweine, auch Bären und Büffel im Urwald des Bükk-Gebirges. Die Versorgung der im Burg verweilenden, prachtliebenden Hofhaltung wurde von den zahlreichen Jägern, Falknern, Armbrustschützen und Treibern unterstützt.

VERLOBUNGSGESCHENK DER KÖNIGINNEN

Nach dem Tod des Königs Ludwigs war Diósgyőr auch weiterhin das Benefiz der Königinnen. Bis zur Niederlage bei Mohács (1526) diente die Burg als Provinzresidenz erhaltenes Verlobungsgeschenk von sechs Königinnen – unter denen auch Beatrix, die Frau des Königs Matthias waren -, deshalb wurde die Burg Diósgyőr in dieser Zeit auch als „Verlobungskleid der Königinnen“ erwähnt. Unter der Herrschaft des Königs Matthias und der Königin Beatrix von Aragon wurde die Verzierung der Burg im Renaissancestil fortgesetzt. Maria Habsburg, die Frau des Königs Ludwig II. war (1516-26) die Letzte Besitzerin der Burg.

NIEDERGANG

Nach der Niederlage bei Mohács geriet die Burg in die Hände von Pfandinhabern. In der Zeitperiode, in der Sigismund (Zsigmond) Balassa die Burg besaß, wurden Befestigungsarbeiten ausgeführt, aber bald begann der 300 Jahre lang dauerte Untergang. Die Gemälde und Fotos aus dem XIX. Jahrhundert zeigen nur Ruinen, aber die wunderbare Schönheit der Landschaft hat sich gar nicht verändert. Der größte ungarische Dichter Sándor Petőfi, der unter den Burgtürmen oft ruhte, wurde durch den Sonnenuntergang in Diósgyőr angeregt, seinen Vers mit dem Titel „Dämmerung” zu schreiben.

WIEDERAUFBAU

Nach mehreren Versuchen begannen die zehn Jahre lang dauernden Aufschlussarbeiten im Jahre 1962 unter der Leitung der Archäologin Ilona Czeglédy mit dem Erfolg, dass die Burg Diósgyőr in ihrem trümmerhaften Zustand konserviert wurde. Die Ruinen waren so niedrig, dass sie kaum bis zum Gürtel reichten, als im Rahmen des Projekt zur komplexen kulturellen und ökotouristischen Entwicklung Diósgyőr-Lillafüred 2013 übernommen wurde, alle Gebäudeteile der Burg zu rekonstruieren. Die Unternehmung, die im Baudenkmalschutz als Bahnbrecher betrachtet werden konnte, hatte das Ziel, so viel über die Geschichte der Burg und jene Herrscher, Ereignisse sowie Menschenschicksale zu zeigen, die an den Mauern der Burg hängen. Daneben enthielt das Projekt die Entstehung des Platzes für Ritterkampfspiele und des Marktplatzes, der mit dem Turnierplatz verbunden ist, ferner die Rekonstruktion des Hängegartens in Lillafüred und das Ausstatten dieses Gartens mit neuen Funktionen. Die Übergabe der wiedergebauten Burg Diósgyőr fand am 30. August 2014 statt, und ein Jahr später konnten die traditionsbewahrenden Reiter und die Teilnehmer verschiedener Sportereignisse den Platz für Ritterkampfspiele und den Marktplatz in Besitz nehmen. Die Burg ist wieder zum Leben erwacht! Zeitgetreue Einrichtungsgegenstände, Animatoren in Kostümen, historische Spiele, traditionsbewahrende Programme und auch moderne Geräte helfen den Besuchern, eine Zeitreise in solche Zeitalter vorzunehmen, die viel mehr Geheimnisse und Interessantes verstecken, als wir meinen!